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AZ online vom 14. Juli 2005 / Roman Huber


Jedes Element zur richtigen Zeit


Der Neubau an der Bruggerstrasse ist nicht nur in seiner Erscheinung imposant. Auch die Konstruktion mit vorfabrizierten Betonelementen ist anspruchsvoll, insbesondere für die Planenden.

Halbzeit ist auf der Baustelle des neuen Berufsschulhauses bereits vorbei. Die erste Phase mit Unter-, Erd- und Eingangsgeschoss (1. OG) nahm deswegen mehr Zeit in Anspruch, weil zahlreiche Spezialelemente eingebaut werden mussten. Der Planungsaufwand sei darum vor allem zu Beginn gewaltig gewesen, erzählt Andreas Stirnemann, Projektleiter des verantwortlichen Architekturbüros Burkard Meyer und Partner, Baden. Die Detailplanung erfolgte für den 100 Meter langen sechsstöckigen Neubau innert einem halben Jahr. Nicht nur die knappe Zeit sorgte für Druck. Der planerische Vorlauf, damit die Elemente produziert werden konnten, war enorm, denn in den Betonelementen musste jeder haustechnische Teil, vom Lüftungskanal bis zur Steckdose, genau am richtigen Ort sein. Vierzehn Tage dauert es, bis das gezeichnete Element auf der Baustelle ist. Jedes trägt seine Nummer und muss rechtzeitig und in der richtigen Reihenfolge vor Ort sein, damit es per Kran an den richtigen Platz gehievt werden kann. Das schwerste Element wiegt 12 Tonnen und fordert auch den Kranführer.

Wie bei Lego

Während Stirnemann von einer "Cremeschnitte" spricht, vergleicht Ingenieur Marcus Fauster (Büro Wolf, Kropf und Partner & AG, Zürich) die Elementbauweise vereinfachend mit dem Legosystem. "Dieser hohe Vorfabriaktionsgrad ist allerdings nicht alltäglich und stellt an alle Beteiligten hohe Anforderungen." Die Elemente haben sowohl statische, funktionale (Haustechnik, Akustik) wie ästhetische Funktionen. Nebst exakter Planung und Koordination sei auch viel Sorgfalt beim Einbau verlangt. Dies darum, weil die Betonflächen sichtbar bleiben. Die Deckenplatten der Schulräume haben ihre weisse Farbe durch das Beimischen von Marmor erhalten. In sie ist eine Schaumstoffschicht eingelegt, die schallabsorbierend wirkt; darüber wird vor Ort betoniert. Die normalen werden als Pi-Element (drei Stützen, verbunden mit dem Sturz) eingebaut, Platten und lange Stützen (so für die Innenhalle) einzeln.

Pro Monat ein Geschoss

"Jetzt geht es schneller, da sich die Bauweise der Geschosse repetiert", sagt Stirnemann: "Pro Monat ein ganzes Geschoss", lautet die ehrgeizige Vorgabe. Der Endtermin ist ohnehin gegeben, und obschon eine Woche bereits beim Aushub verloren ging, liege man gut drin. Das zweite Obergeschoss ist im Bau, und es kommen noch drei darüber, bis letztlich der Dachaufsatz, eine Stahlkonstruktion gebaut wird. Bevor es so weit ist, werden die Treppen eingebaut. Sie gehören zum Kernbereich, der vor Ort betoniert wurde und mit der Statik der Elementbauweise die Erdbebensicherheit garantiert. Die übergabe des Baus ist Mitte nächstes Jahr vorgesehen.

Rund 3100 Elemente

Laut Marcus Fauster vom Ingenieurbüro Wolf, Kropf & Partner AG in Zürich werden im Berufsschulhaus total rund 8500 m3 Beton sowie 700 Tonnen Stahl verbaut. Insgesamt werden rund 3100 Elemente von der Element AG Veltheim produziert und geliefert, und zwar in rund 200 verschiedenen Element-Typen.

Pi-Element

Ein Pi-Element mit drei Stützen und mit dem Sturz (oben) wird vom Kran an den dafür bestimmten Platz gehievt. (Foto: D. Girod)



Konstantes Raumklima - Minergiestandard durch Systematik

Beim Rohbau wird gut sichtbar, wie das Konzept des Elementbaus die energetischen Anforderungen (Minergie) erreicht. über die zentralen Vertikalschächte wird die Luft von den Wärmetauschern auf dem Dach in die Schulräume geführt, die hinter den Korridoren liegen. Die Abluft entweicht durch Kanäle, die in die - rechnerisch - nichttragenden Stützen eingebaut sind, ins Abluftsystem der Aussenkorridore. Die Korridore liegen hinter der vorgehängten Fassade und sind unbeheizt. Dadurch bleibt das Klima in den Schulräumen konstant und sie benötigen praktisch keine Energie. Die wenigen Heizschlaufen im Boden vermögen die Temperaturen im Winter anzuheben und im Sommer abzukühlen.

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